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Kriminalpolizei

1. Leipziger Polizei- Blaue und grĂŒne Polizei

2. Hier Kripo Leipzig

    Zu 1. Zusammenfassung vorgefundener Dokumente, Erlasse, Rescripte, Mandate, KriminalfĂ€lle fĂŒr die ZeitrĂ€ume                                                                                          

-        1015 bis 1809 (u.a. Probleme zwischen Rat/Polizeiamt und UniversitĂ€t durch

    Errichtung der UniversitĂ€t mit eigener Gerichtsbarkeit)                                                 

-         1.10.1810 Errichtung des besonderen Polizeiamtes der Stadt Leipzig        

-         1810 bis 2005, einschließlich Bildmaterial                                          

-         Biographien (33) und Bilder (29) zu 33 Dirigenten, PolizeiprĂ€sidenten, - direktoren  und         der Leiter der Dienststelle von 1810 bis heute                                                      

-        Abhandlung von Schwerpunkten, wie 1813, 1830, 1890, 1921, 1945 und 1989           -        Uniformen von 1810 an                                                                      

-        Darstellung zum GebĂ€ude der Direktion Dimitroffstraße und VorgĂ€ngerbauten                         SalzgĂ€sschen, Naschmarkt, Reichsstraße)                                                  

-        PolizeigefĂ€ngnis im GebĂ€udekomplex Dimitroffstraße mit VorgĂ€ngereinrichtungen                   Georgenhospital, Jacobshospital, Stockhaus                                        

-        StraftatenĂŒbersicht der Delikte von 1883 – 2004                        

-        Verkehrsstraftaten                                                                           

-        ZahlenmĂ€ĂŸige Übersicht zu Insassen in GefĂ€ngniseinrichtungen ab 1837

Expertenmeinung: -        ungeheure Fleißarbeit mit bedeutsamen Faktenfunden;

        -        als Material verdienstvoll, auch gefundene Bildnisse!

Buch umfasst 632 Seiten in schwarz-weiß Druck, besitzt festen Einband; kostet im Handel 39,80 €. ISBN-Nummer: 3-00-017483-4.

Das Buch “Leipziger Polizei - Blaue und grĂŒne Polizei” ist zu Zeit ĂŒber mich lieferbar.       

Es sind noch ein paar BĂŒcher im Restbestand erhĂ€ltlich. Diese gebe ich zum Unkostenpreis von 19.80 € ab. Bei notwendiger Verschickung per Post erhebe ich einen halben Versandpreis in Höhe von 2.95 €

Material ist nicht nur fĂŒr Angehörige der Polizei gefasst!                                                   Bestellung ĂŒber (ernstgemeinte) Bekundung möglich bzw. unter Postanschrift: Gerd MĂŒller, Sommerfelder Straße 11, 04299 Leipzig; schließlich auch unter:                                       -        E-Mail: gerd.mueller@leipzig-polizeigeschichte.de

An- und Nachfragen ĂŒber Telefon: 0152/08704536 möglich!

 

2. Buch “Hier Kripo Leipzig ... ist in Druckvorbereitung. Es umfasst in der Hauptsache den Zeitraum von 200 Jahren. Im Jahre 1809 wurde beim Stadtgericht Leipzig eine Abteilung”Criminalgericht” gebildet. Diese wurde nach 1810 in Criminalamt Leipzig umbenannt!

- Erstmalige Darstellung der Entstehung und Entwicklung der K, zugleich Entstehung und       Entwicklung der K der Transportpolizei (1852-1990) und des Volkspolizeiamtes Leipzig         (–1949, 1966-1991); Leiter der Einrichtungen;

- Ausarbeitungen zu speziellen Delikten und –gruppen, wie z. B. Mord und Selbstmord;             Sittlichkeitsdelikte, einschließlich HomosexualitĂ€t, Abtreibung; Hellseher, Wahrsagerei und    Kriminaltelepathie ...

- Aussagen aus dem Gefangenentagebuch (1931-1945), Leichenbuch (1939-1948) und       dem Mordalbum (1947/48)

 Eine solche Dokumentation zur Institution Kriminalpolizei in Leipzig gab es bisher nicht.

Mir gelang es zudem eine Reihe von Personen zu finden, die ihre persönlichen Erlebnisse und Erinnerungen darlegten. Damit wird es ein besonderes Zeitdokument!

Buch wird bestehen aus ca. 660 Seiten, Text und Bilder; fester Einband; Buchhandelspreis 39,80 €; Bei Bestellung vor Druck (meinerseits vorgesehen ist das 4. Quartal 2010) wird ein Subscriptionspreis in Höhe von 29,80 € erhoben.

Erreichbarkeit: gerd.mueller@leipzig-polizeigeschichte.de

Polizei vor 1810

Gab es in der Stadt Leipzig eine "Polizei" bereits vor dem Jahre 1810 ?

Die ersten AnfĂ€nge der Polizei sind schon frĂŒher nachweisbar; zumindest solche Einrichtungen, die polizeiliche Aufgaben zu erfĂŒllen hatten (StadtkĂ€mmerer, MĂŒnzmeister, Marktmeister, Walpode, Vicedominus, Gewaltbode, Stadtviertelmeister oder Stadt-Hauptleute, ScharwĂ€chterordnung u.dgl.m.)

Blickt man zurĂŒck auf die frĂŒhere stĂ€dtische Verfassung, wĂŒrde das bedeuten, tiefer in die alte urdeutsche Verfassung der StĂ€dte einzugehen, die ihrem Wesen nach frei und rein demokratische war. Die "Gau-Grafen", unter welche die StĂ€dte, also auch Leipzig, gehörten, verwalteten die öffentlichen GeschĂ€fte und sprachen das Recht in eigner Person. Erst spĂ€ter traten Stellvertreter in der Gestalt der  V o i g t e auf, welche um sich herum Beisitzer oder S c h ö f f e n  (erste Schreibweise "Schöppe") sammelten, zu welchem Amte anfangs jeder Freigeborene wĂ€hlbar war. Diese Schöffen wurden vorzugsweise BĂŒrger genannt und standen unter dem landesherrlichen Stadtvogt (advocatus citivatis).

O t t o  der R e i c h e  stellte an die Spitze der Schöffen zuerst einen aus deren Mitte gewĂ€hlten S c h u l t h e i ß e n, doch blieb dessen Stellung noch eine sehr untergeordnete.

Den  B l u t b a n n  hatte der landesherrliche Beamte, der  S t a d t v o g t, welcher auch in anderer Beziehung ĂŒber dem Schultheißen stand.  Außerdem gab es noch einen dritten, den sogenannten B i l l i c u s, unter dessen Gerichtsbarkeit die Umgebung, namentlich der Adligen, gehörten, er hatte seinen Gerichtsstuhl außerhalb der Stadt. Der VollstĂ€ndigkeit halber sei angemerkt, dass die Klöster ihre eigene Gerichtsbarkeit ausĂŒbten. 

Der Markgraf Dietrich von Landsberg befreit die Leipziger BĂŒrger von der Gerichtsbarkeit seiner Vögte. Mit einem Schreiben vom 30. Januar 1263 „anerkennen wir Dietrich, von Landsberg, mittels des gegenwĂ€rtigen Schreibens und wĂŒnschen, daß wir allen unseren BĂŒrgern zu Leipzig solcherlei Freiheit gewĂ€hrt haben, daß keiner unserer Vögte dieselben zwingen solle, irgendeines Rechtshandels wegen vor ihm sich zu verantworten; sondern wenn jemand gegen sie eine Klage habe, mĂŒsse der unsere vorgenannten BĂŒrger in unserer Stadt Leipzig in Anwesenheit ihres Schultheißen und ihrer BĂŒrger belangen. Wofern er aber vor Schultheißen und BĂŒrgern seine Klage nicht wird belegen können, dann möge er sie in unserer Gegenwart vortragen, und wir werden ihm einen rechtmĂ€ĂŸigen Urteilsspruch erteilen“.             

Markgraf Dietrich von Landsberg sichert in einem Schreiben vom 1. MĂ€rz 1268, allen Leipzig besuchenden Kaufleuten seinen Schutz zu: „Wir bekennen ..., daß wir unseren genannten BĂŒrgern von Leipzig, die wir mit ganz besonderer Gunst und bestĂ€ndiger Anteilnahme begleiten, zur Ehre unserer Stadt Leipzig bereits das Privileg der erhofften Freiheit zuerkannten, daß wir nĂ€mlich alle, die Handel treiben wollen und treiben in schon besagter Stadt, Kaufleute, woher sie auch sein mögen, auch wenn es eintreten sollte, daß wir uns in offenem Streit mit den Herren besagter Kaufleute befinden, in dieser unserer Stadt nicht behindern noch ihre GĂŒter einziehen werden oder dulden wollen, dass sie von irgendeinem mit Beschlag belegt werden, und dass wir diese Kauflaute auch, wer immer sie sein mögen, die unserer ebengenannten Stadt und uns damit Ehre erwiesen und ihre Waren in diese Stadt gebracht haben, nach bestem Vermögen schĂŒtzen und sichern wollen...“.

Aus dem Schöffenkollegium bildete sich im Verlaufe der Jahre der  M a g i s t r a t. Die Mitglieder dieses Magistrats verwalteten die stĂ€dtischen EinkĂŒnfte und das Polizeiwesen. Sie nannten sich  C o n s u l e s, an deren Spitze stand der BĂŒrgermeister (M a g i s t r i  c u r i a n e). Doch ĂŒbte ĂŒber dieses Gremium der Schultheiß seine Obergewalt aus.

Das Ratkollegium teilte sich damals in drei verschiedene RĂ€te (Sektionen) und hatte drei BĂŒrgermeister. Zur Verwaltung der einzelnen "GegenstĂ€nde" wurden besondere Deputierte gewĂ€hlt. Die erste urkundliche ErwĂ€hnung eines Ratskollegiums in Leipzig „stammt aus dem Jahre 1270. Ab 1301 bestĂ€tigten der BĂŒrgermeister und der Rat der Stadt alle stĂ€dtischen Angelegenheiten ohne Mitwirkung eines landesherrlichen Beamten.“...“ Die bedeutendsten Ratsherren waren der BĂŒrgermeister, die Baumherren (aus als Finanzbeamte) und seit 1423 der Stadtrichter.“ Schon seit dem 14. Jahrhundert gab es in Leipzig die drei erwĂ€hnten Ratskollegien. Der „frĂŒheste ĂŒberlieferte Ratsherreneid stammt vom Ende des 14. Jahrhunderts. Die Ratsordnung von 1529 regelte die Rechte und Pflichten des Rates und der Stadtverwaltung.“

Zu der Bedeutung und der Freiheit eines stĂ€dtischen Gemeinwesens gehörte in den Feudalzeiten vor allem Dingen die eigene Gerichtsbarkeit. Leipzig war im Jahre 1392 unter strenger Bevormundung in „Betreff der Verwaltung gerathen und die Rechtssprechung ĂŒbten landesherrliche Behörden. Wichtig war daher, dass 1423 Friedrich der Streibare die eigene Gerichtsbarkeit dem Rat der Stadt Leipzig zurĂŒckgab. Sie verbreitete sich ĂŒber einen weiten Umkreis und ist erst in den Jahren um 1850/60 durch die Aufhebung der gesamten Patrimonial-Gerichtsgbarkeit auf den Staat ĂŒbergegangen“. Der Leipziger Schöppenstuhl, dessen Entscheidungen in RechtsfĂ€llen vom In- und Ausland nachgesucht wurden, kam um diese Zeit in große Aufnahme.

FĂŒr die Bewachung der Stadt waren in Leipzig alle BĂŒrger verantwortlich. Im Verlaufe des 15. Jahrhunderts wurden die Ratsherren des amtierenden Rates und bestimmte Ratsbeamte von dem nĂ€chtlichen Wachdienst befreit; weitere BĂŒrger lösten sich durch Bezahlung des Wachgeldes ab. „Jedoch blieb die allgemeine Wachpflicht in Kriegszeiten, bei Unruhen und bei Feuergefahr weiterhin bestehen. Seit der zweiten HĂ€lfte des 16. Jahrhunderts stand an der Spitze der zur Wache eingesetzten BĂŒrger ein Wachmeister bzw. Wachtmeister, wĂ€hrend die aus dem WĂ€chtergeld bezahlten stĂ€ndige Wachmannschaft unter dem Befehl des schon 1436 erwĂ€hnten Marktmeisters in der Stadtwache stand. Der Wachtmeister hatte dem Rat und dem Landesherrn einen Eid zu schwören. Daneben gab es noch die vier Wachmeister fĂŒr die Tore, welche die Torschließer beaufsichtigten.“

Die im Dienst der Stadt stehenden Ausreiter, auch reitende oder reisige Knechte genannt, ĂŒberbrachten nicht nur die Botschaften des Leipziger Rates nach auswĂ€rts und begleiteten die Ratsgesandten auf grĂ¶ĂŸeren Reisen. Sie waren verpflichtet, sich bei besonderen Vorkommnissen, wie Feuersgefahr und Aufruhr, dem amtierenden BĂŒrgermeister bewaffnet zur VerfĂŒgung zu stellen. Die Stadt beschĂ€ftigte schon im 15. Jahrhundert drei bis vier Ausreiter und stattete sie mit Harnischen aus. DarĂŒber hinaus gab es sogenannte Zirkler. Die „Stadtknechte – gewöhnlich acht – bildeten seit dem 15. Jahrhundert eine stĂ€ndige Wachmannschaft in Leipzig. Als WĂ€chter (1406), Stadtzirkler (1445), Trabanten, Nachtzirkler, Schergen und HĂ€scher haten sie nachts die Runde zu machen und sich sonst in der Wachstube aufzuhalten. Sie wurden durch den Rat und das Stadtgericht fĂŒr polizeiliche und sittenpolizeiliche Aufgaben eingesetzt. 1465 wird vermerkt, dass jeder von ihnen einen Panzer, ein Koller und einen Hut erhielt. Im 16. Jahrhundert trugen sie die Stadtfarben“.

Der im 16. Jahrhundert besonders angestellte Stockmeister diente als GefĂ€ngnisaufseher. Als GefĂ€ngnis diente ursprĂŒnglich neben dem Keller im Rathause das im Volksmund „Henkersturm“ (der Rat bezeichnete ihn als den „Hohen Turm“ genannte GebĂ€ude an der SĂŒdseite der heutigen UniversitĂ€tsstraße. 

Der Stockmeister  gehörte zu den niederen Gerichtsbeamten. „Er war fĂŒr den Rat der Stadt und das Stadt-gericht tĂ€tig. Er hatte die Gefangenen zu bewachen und mit Nahrung zu ver-sorgen. WĂ€hrend der Marktmeister und die Zirkler  in der Stadt herumgingen, musste er auch auf dem Rathaus die Wache halten.“ Aus: Das Leipziger Eidbuch von 1590; VEB Fach-buchverlag Leipzig. 1. Auflage 1986, S. 159. Den Eid musste er ebenfalls ablegen. Darin hieß es: „Den Dienst, den ich ĂŒbernommen habe, will ich gewissenhaft ausĂŒben. Ich werde die Gefangenen fleißig bewachen, damit keiner entkommt, sie mit angemessener Nahrung versorgen, ohne Erlaubnis des Rates und Gerichts mit keinen ihnen reden und durch sie keine Briefe schreiben lassen und besonders beachte, daß ihnen nichts zugebracht wird, womit sie ausbrechen könnten. Was mir geheimzuhalten befohlen wird, will ich keinem offenbaren. Alles das tue ich zuverlĂ€ssig und aufrichtig, so wahr, als mit Gott helfe.“

Der Stockmeister  gehörte zu den niederen Gerichtsbeamten. „Er war fĂŒr den Rat der Stadt und das Stadtgericht tĂ€tig. Er hatte die Gefangenen zu bewachen und mit Nahrung zu versorgen. WĂ€hrend der Marktmeister und die Zirkler in der Stadt herumgingen, musste er auch auf dem Rathaus die Wache halten.“

FĂŒr die Speisung der Gefangenen erhielt der Stockmeister vom Rate Kostgeld, spĂ€ter mussten sich die Gefangenen selbst versorgen; ein Zusatz zum Eid verlangte vom Stockmeister, „auch mit dem gelde, so mit die gefangenen sich selbst zu speisen geben, getreulich vmbgehen (umgehen)“.  

Der Landknecht wird erstmals 1543 urkundlich in Leipzig belegt. „Als stĂ€dtischer Beamter forderte er die Dorfbewohner vor die Landstube. Er gab die Gerichtstage in den Dörfern bekannt und rief die Bekanntmachungen aus. Er erledigte auch die BotengĂ€nge fĂŒr die Landstube und achtete darauf, dass die Bauern nur einheimisches Bier ausschenkten und tranken“.  

Ein Marktvogt wurde zur Überwachung des Marktverkehrs schon im 15. Jahrhundert beim Rat der Stadt beschĂ€ftigt. Zuerst gab es einen, dann zwei und drei. „Sie sicherten vor allem das Marktprivileg des Rates und der BĂŒrger, verhinderten den Vorkauf durch Fremde und beaufsichtigten die VerkaufsplĂ€tze der Höker und den Fleischverkauf. Sie waren auch fĂŒr die Einnahme von Ratsgeldern (WĂ€chtergeld, Opfergeld, Erbgeld) und den Schoß zustĂ€ndig und wurden mit fĂŒr die Besichtigung des Viehhofes, das FleischschĂ€tzen und die Besichtigung der Feuermauern eingesetzt.“  

Torschließer waren eine weitere Einrichtung der Stadt, die sicherheitspolizeiliche Aufgaben wahrzunehmen hatten. Die Stadt hatte vier Haupttore (Grimmaisches, Peters-, RanstĂ€dter und Hallesches Tor), drei Nebentore (Hallesches  Pförtchen, Thomas- und Barfußtor) sowie zwei Ă€ußere Tore oder SchlĂ€ge (Ă€ußeres Hallesches und Ă€ußeres RanstĂ€dter Tor). FĂŒr den Wachdienst und die Kontrolle an diesen Stadttoren wurden im 15. und 16. Jahrhundert die TorwĂ€rter (Torschließer, auch Personen, die unter den Stadttoren die Zeichen aus der Waage und vom Zoll und Geleit einnehmen) eingesetzt. Sie waren damit sowohl Sicherheits-, als auch Finnazbeamte des Rates. Sie wurden aber auch zu anderen Aufgaben – wie Einnehmen des Schosses, Besichtigung der Mauern, Einberufung der Stadtgemeinde zu Versammlungen und Kontrolle der Harnische der BĂŒrger – mit herangezogen“. 

Der Eid des Tor- und Pförtleinschließers (siehe Seite 105/106, lautete: 

Thor vnd pförtlein Schließere

Tor- und Pförtleinschließer

Dem Ampt vnnd dienste, dortzu ich mich begeben habe, dem will ich getrewlich vorstehen, Die Thor vnd pffertlein fleissig bewahrenn, die zu rechter zeit auff vnd zu schliesßen, Vnd ob ich vorretherei, aufrhut, aufflaufft ader anders dergleichen, doraus dem Rathe schade oder nachtail mochte eruolgenn, sehenn oder erfahrenn wurde, deme Rathe offenbaren vnd nach alle meinem vormugen vorhuetten Vnd des Rats heimigkait, was mir des vortrawet wirdt, nicht offenbahrenn, Trewlich vnnd vngeferlich, Als mit Gott helffe.

Das Amt und den Dienst, die ich ĂŒbernommen habe, will ich gewissenhaft ausĂŒben. Ich werde die Tore und Pförtlein eifrig beschĂŒtzen, sie zur rechten Zeit auf- und zuschließen und dem Rat offenbaren und mit meiner ganzen Kraft verhĂŒten, wenn ich Verrat, Aufruhr, Auflauf oder dergleichen anderes, aus dem fĂŒr den Rat Schaden oder Nachteil entstehen könnte, sehe oder erfahre. Ich will die Geheimnisse des Rates, die mir anvertraut werden, nicht offenbaren. Das tue ich zuverlĂ€ssig und aufrichtig, so wahr, als mit Gott helfe.

Auch die TorschlĂŒsselverwahrer mussten einen Eid ablegen. Dieser lautete: „Ich schwöre, daß ich die SchĂŒssel zu den Toren und Pforten der Stadt, die mir anvertraut und ĂŒbergeben wurden, gewissenhaft und eifrig verwahren will. Ich werde sie keinem, außer wenn es der BĂŒrgermeister befiehlt, und den TorwĂ€rtern nur, wenn zu gebĂŒhrender Zeit auf- und zugeschlossen werden soll, geben, sie sofort wieder in gut verschlossene Aufbewahrung nehmen und in diesem Amt zum Besten fĂŒr die Stadtgemeinde handeln und tĂ€tig sein, so wahr, als mir Gott helfe“.  

Zunft- und Schaumeister ĂŒbernahmen vom Rat einen Teil der Aufgaben der Handels- und Gewerbepolizei. „Die von den Innungen gewĂ€hlten Zunft- und Schaumeister wurden vom Rat bestĂ€tigt und vereidigt“.  

Wenn von immer wieder von  B ĂŒ r g e r n  die Rede ist, sollte man beachten, dass die Erlangung des BĂŒrgerrechts vor allem vom Vermögensstand abhĂ€ngig war. BĂŒrger konnte demzufolge nur werden, „wer Grundbesitz in der Stadt besaß oder erwarb, das BĂŒrgergeld zahlte und eine eheliche Abstammung nachwies. Entsprechend dem Ratsbeschluß vom 17. Juni 1469 mußte er sich in der Stadt niederlassen. Im Jahr 1474 zĂ€hlte Leipzig 519 ansĂ€ssige BĂŒrger, zu Beginn des 16. Jahrhunderts waren es bereits 900. Die hinzugekommenen NeubĂŒrger mußten eine Abgabe zahlen, die aber auch erlassen werden konnte, wen der Zuzug im Interesse der Stadt erfolgte. Die BĂŒrger – Kaufleute, Handwerksmeister und andere besitzende Kreise – besaßen zahlreiche Rechte, von denen die anderen Stadtbewohner, die Gesellen, das Gesinde und die Stadtarmut, ausgeschlossen blieben. Die BĂŒrger waren in unterschiedlichem Umfang an der Stadtverwaltung beteiligt. Sie hatten zur Bewaffnung und Verteidigung der Stadt beizutragen“.

„Welche Mannsperson als BĂŒrger aufgenommen werden wollte oder sollte, musste zunĂ€chst 15jĂ€hrig sein, seinen Geburtsbrief (Urkunde) vorlegen und den Nachweis ĂŒber Herkommen und seine eheliche Geburt fĂŒhren. Hier machte der Rat keine Ausnahme“, heißt es bei Czok. Die „NeubĂŒrgerschaft, die Aufnahme eines AuswĂ€rtigen als BĂŒrger von Leipzig, erforderte zudem zunĂ€chst den Erwerb eines Hauses, entweder sofort, wenigstens aber, nach Jahr und Tag eignen Feuer und Haus zu halten“, fĂŒhrt Czok, K.: Das alte Leipzig, S. 29 weiter aus.  

Die Wachmeister, die an den Toren ihren Wachdienst versahen, mussten einen Eid ablegen. Dieser lautete: „Wachmeister Eydt vorn Thoren. Ich schwere, das ich die wache vor den thoren, so mir zuhalten vertrauet, treulich und vleißig versorgen vnd bestellen, Zu tag und nacht vleißig Achtung darauf geben, das gemeiner Stadt schaden vndt gefahr verhuttet vnd nachbleiben möge, Vnd do ich aufruhr, Auflauft oder anderen verrath SpĂŒren, daßelben nach vermugen abwenden vnd vorkommen helffenn, Vnd solches nicht lassen, weder aus gunst, gabe, freundschafft, feindschafft, noch umb keinerley sach willen, Auche dem Rath vnd gemeiner Stadt, so lang meine bestallung wehret, getrew vnd gewerrtig sein, Alß mir Gott helffe etc.“  

    Übersetzt heißt das: Eid des Wachmeisters fĂŒr die Tore. Ich schwöre, dass ich die Torwache, die mir zu halten anvertraut ist, gewissenhaft und eifrig versehen und ausĂŒben will. Ich werde bei Tag und Nacht fleißig darauf Acht geben, dass Schaden und Gefahr fĂŒr die Stadtgemeinde verhĂŒtet wird und unterbleibt. Und wenn ich Aufruhr, Auflauf oder anderen Verrat bemerke, werde ich helfen, dies möglichst zu verhindern und dem zuvorzukommen. Solches werde ich weder wegen Gunst, Gabe, Freundschaft oder Feindschaft noch aus anderen GrĂŒnden unterlassen. Auch will ich dem Rat und der Stadtgemeinde, so lange meine Anstellung wĂ€hrt, getreu und gewĂ€rtig sein, so wahr, als mir Gott helfe usw.

Der Wachmeister stand in der zweiten HĂ€lfte des 16. Jahrhunderts an der Spitze der BĂŒrgerwache und befand sich offensichtlich nicht stĂ€ndig im Dienst. Die Wachmeister schwuren nicht nur dem Leipziger Rate, sondern auch dem KurfĂŒrsten, getreu und gegenwĂ€rtig zu sein. Dies bildete, wie Rachel, W. feststellte, den einzigen Fall, dass ein stĂ€dtischer Beamter dem Landesherren vereidigt wurde. Rachel, W. a.a.O., S. 143. Dem Wachmeister oblag die Musterung, EinĂŒbung und AnfĂŒhrung der zur Wache herangezogenen BĂŒrger und die Beaufsichtigung derjenigen, die die SchlĂ€ge vor den Toren zu schließen hatten. „Die seit dem 15. Jahrhundert stĂ€ndige Wachmannschaft – gewöhnlich acht Nachtzirkler oder Stadtknechte – stand unter dem Befehl der Marktmeister, hatte also wohl ursprĂŒnglich marktpolizeiliche Funktionen zu erfĂŒllen. Dann „oblag ihr, besonders nachts, die Sicherheitspolizei, und sie hatte untereinander abwechselnd mit den Stadtknechten die Wache zu halten“, heißt es bei Rachel, auf S. 143, weiter. 

Raubdelikte, Diebstahl, PlĂŒndereien und SchlĂ€gereien, also alle Vergehen gegen die Stadt und ihre BĂŒrger wurden im Urfehdenbuch von Leipzig zwischen 1390 und 1480 verewigt.

Kopie einer Schriftseite aus diesem Ă€ltesten Leipziger Urfehdenbuch siehe folgende Seite. 

Eingetragen sind weiter u.a. : „Hans Kunkel, BĂ€ckerknecht, ist verwiest durch (ĂŒberfĂŒhrt) des Willens, dass er den HĂ€nger wollte unwilligen (schĂ€digen) und ermorden in seinem Haus.

Hans von der Heyde von der Neuenstadt, BĂ€ckerknecht, ist verwiest durch des Willens, daß er den HĂ€nger auch wollte unwilligen in seinem Haus. Johannes von BĂŒckin von LĂŒneburg hat mit gutem Willen unbezwungen Urfehde (Verzicht auf Rache) zu den Heiligen geschworen, daß er unseren gnĂ€digen Herren ihre Land und Leute und nehmlich die Stadt zu Leipzig  nie mehr verdenken (verdĂ€chtigen), beteidigen (gerichtlich anklagen) noch beschĂ€digen will mit Worten noch mit Werken...“  

Wann erfolgten Eintragungen, wer stand drin?

 

„In diesem Buch sind geschrieben alle, die wider die Stadt Leipzig mit Worten oder mit Werken getan haben, und (vor)nehmlich alle Ächter, Mörder, RĂ€uber und ÜbertĂ€ter dieser Stadt etc....

Diese sind vermeldet von Nycol Rovleisch: Hinrich der zu Beln, Saß (Grundbesitzer) von Zcetzow, und Hans von Techow, daß sie ihm haben ein Pferd geboten, daß er ihnen wollte die von Leipzig verraten.

Stanveste, der BĂ€cker-knecht, hat dem HĂ€nger (Henker) seinen Haus-frieden bei Nacht ge-brochen und hat den HĂ€nger wollt morden mit gezogenem Messer.“

 

"Eine große VerĂ€nderung im Rathe erfolgte, als derselbe nach GrĂŒndung der UniversitĂ€t 1423 die Obere- und Niedergerichte wieder kĂ€uflich an sich brachte und diesen Vertrag 1435 gegen Erlegung von 3000 Gulden erneuerte. Zur Verwaltung der ĂŒbernommenen Gerichte wurde nun ein neuer Beamter, als  R a t s v e r o r d n e t e r von den frĂŒheren Schultheißen wohl zu unterscheiden, unter dem Namen  S c h a r f r i c h t e r  angestellt. Der schon seit 1325 als Spruchcollegium auch fĂŒr AuswĂ€rtige in großem Ansehen stehende S c h ö p p e n s t u h l war ebenfalls mit dem Rathe verbunden. In spĂ€terer Zeit erwarb der Rath noch andere Gerechtigkeiten, das Patronatrecht, und 1508 die erbliche Ueberlassung der Gerichte, und stieg so zu immer grĂ¶ĂŸeren Ansehen".

Nach der Errichtung/GrĂŒndung der UniversitĂ€t Leipzig, 1409, begann ein Gerangel mit dem Rat der Stadt. Die UniversitĂ€t als eine „exterritoriale Einrichtung besaß eine eigene Gerichtsbarkeit“. Die Studenten, die unter „klösterlicher Zucht und Ordnung“ standen, wurden durch UniversitĂ€tsrichter bestraft.

In den AdressbĂŒchern der Stadt Leipzig gibt es bis zum Jahre 1811 keinen Verweis auf eine Polizeidienststelle. Aus gesichteten Unterlagen geht hervor, dass im Jahre 1806 eine Instruktion fĂŒr eine Polizeiwache erlassen wurde. Damit scheint klar zu sein, dass es einen “Polizisten” schon gab. In einer Schrift von Leonardi aus dem Jahre 1799 werden vom Rat “besoldete 18 Gerichts- und Polizeydiener” genannt, “deren Gewandheit, Wachsamkeit und Geschicklichkeit im AussoĂ€hen der Verbrecher musterhaft ist und wohl schwerlich in irgend einer europĂ€ischen Stadt in einem so vorzĂŒglichen Grade angetroffen wird”.                                                          

Das Stadtgeschichtliche Museum verweist in der Schrift: “Leipzigs Regierende BĂŒrgermeister von Leipzig ... darauf, dass der der BĂŒrgermeister (zwischen 1778 bis 1799 mit Unterbrechungen) Dr. jur Carl Wilhelm MĂŒller das Amt des Polizeidirektors von Leipzig ausgeĂŒbt habe!                                                                             

 

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